Mittwoch, 17. September 2014

Versteher

Ich gebe es ja zu,ich bin ein Versteher.Ja,ich bin ein Putin-Versteher,weil ich die Ideologie vom bösen Russen und guten Westen(USA,EU) nicht mitmache,sondern glaube,das es in diesem Konflikt keinen Guten und Bösen gibt.Alle haben hier ihre Interessen ,und die sind wirtschaftlicher und geostrategischer Natur.Die ukrainische Zivilbevölkerung spielt da keine Rolle.
Weil ich verstehen kann,das Putin nicht tatenlos zusehen wird,wie ihm der Zugang zum Mittelmeer über den Schwarzmeerhafen genommen wird,und auch nicht,wie man ihm Nato-Truppen vor die Haustür stellt.
Die USA würden es sich auch nicht ruhig ansehen, wie Russland in Mexiko oder in Kanada Raketen stationiert.Das macht Putin nicht besser,doch kann es einen Frieden ohne Berücksichtigung dieser Interessen und ohne oder gegen Russland nicht geben.Es führ kein Weg daran vorbei mit ihm zu reden.Aber wer so denkt ist ein "Putin-Versteher".
Und ich bin auch ein Hamas-Versteher,weil ich mich im Gaza-Konflikt nicht bedingungslos auf die Seite Israels stelle,auch nicht auf die Seite der Hamas,sondern auf die Seite der Zivil-Bevölkerung,die nur unter diesem Krieg leidet,und auf der Seite derjenigen,die miteinander reden und das Morden auf beiden Seiten beenden wollen.Gewalt ist auch hier keine Lösung.
Und darum bin ich auch ein IS-Versteher,weil ich der Meinung bin,das IS das Produkt katastrophaler US-Außenpolitik ,mit einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg und der Destabilisierung Syriens ist,womit IS die Ausbreitung erst ermöglicht wurde.Wer glaubt,ISIS könnte vernichtet werden,der irrt.Das geht ebenso wenig ,wie bei Al Kaida.IS rekrutiert sich neben den syrischen Al Nusra-Rebellen auch aus Europa,Nordafrika,Asien und den USA.Es sind die sozial ausgegrenzten,die Opfer einer egoistischen, asozialen ,und neokolonialistischen Wirtschaftspolitik die Armut und Elend erzeugt, die willige Helfer der Terroristen sind.Und solange diese Politik fortgesetzt wird,gibt es immer genug Reserve für IS.Aber so denken nur IS-Versteher.
Ach ja ,und ein Assad-Versteher bin ich auch, denn ich bin der Meinung,das es auch hier um Schürfrechte geht,und nicht um Menschenrechte.Baschar Al Assad steht einer Öl-Pipeline entgegen, die Saudi-Arabien und,Katar ,zusammen mit britischen und amerikanischen Konzernen bauen wollen im Wege,weil er mit Russland gerade einen Milliardenschweren Deal abgeschlossen hatte.Das ist der Grund,warum er ein "Moster" ist ,und nicht die Unterdrückung der Opposition.Syrien ist seit Jahrzehnten ein Autokroatischer Staat.Vater Assad war doch genausowenig Demokrat ,wie sein Sohn.Jahrzehnte lang hat es auch niemand gestört,die CIA hat dort sogar Gefängnisse unterhalten, und es würde auch jetzt niemanden stören,was Assad mit seinem Volk tut,wenn er nicht auf die Idee gekommen wäre ,mit den Russen Geschäfte zu machen, und ihnen mit Tartus einen Mittelmeerhafen zu verpachten.Aber wer so denkt,ist natürlich ein "Assad-Versteher",ganz klar.
Ja,ich bin ein Versteher,weil ich mich der Meinungsmache widersetze,die dasVerstehen verächtlich machen,und es als etwas schlechtes darstellen soll.
Den anderen zu verstehen, seine Beweggründe zu begreifen ,und seine Interessen,und daraus,eine beide annehmbare Lösung zu finden,das nennt man Diplomatie.Egon Bahr und Willy Brandt nannten es "Wandel durch Annährung".Damit legten sie den Grundstein für die Wiedervereinigung.Hätten sie so gedacht,wie die "Putin-Versteher"-Schwätzer, dann wäre Deutschland wohl noch ein geteiltes Land.Hätte Kennedy ,den heute wieder beliebten Konfrontationskurs gefahren,so wäre die Erde 1962 im atomaren Feuer versunken.Aber auch er zog es vor mit den Russen zu reden,statt auf sie zu schiessen.
Darum bin ich überzeugter Versteher,denn die Alternative zum Verstehen ist der Hass und ist Gewalt.Und diese Alternative ist schlimm und verächtlich.

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